Bericht des Aufsichtsrats für das Geschäftsjahr 2025
Nach einem erfolgreichen Jahr 2024 hat sich die Umsatz-, Ertrags- und Finanzlage im Jahr 2025 operativ weiter positiv entwickelt. Der Konzern weist ein deutlich gesteigertes EBITDA- und Periodenergebnis aus. Dieser positive Trend ist vor allem auf die konsequente Fokussierung als Technologieanbieter für das Isolieren und Verbinden in unserem Kerngeschäftsfeld hocheffizienter Stromnetzverbindungen zurückzuführen.
Für das Jahr 2026 hat der Vorstand Maßnahmen zur weiteren Umsatz- und Effizienzsteigerung definiert, sowohl geografisch als auch technologisch mit einer Ausweitung des Produktspektrums in die Hochspannungsgleichstromtechnologie. Die stetig wachsende Nachfrage nach elektrischer Energie auch durch eine immer breiter werdende Anwendung „künstlicher Intelligenz“, der dafür notwendige Netzausbau und die weltweite Energiewende getrieben durch den Zubau alternativer Energien treiben unser Geschäft. Der Aufsichtsrat unterstützt die Umsetzung der Unternehmens- und Finanzstrategie durch den Vorstand.
Zusammenarbeit von Aufsichtsrat und Vorstand
Der Aufsichtsrat hat die ihm nach Gesetz und Satzung obliegenden Aufgaben nach bestem Wissen und Gewissen wahrgenommen und den Vorstand im Geschäftsjahr 2025 bei der Erfüllung seiner Aufgaben überwacht und beratend begleitet. Der Vorstand hat den Aufsichtsrat in mündlichen und schriftlichen Berichten über den Geschäftsverlauf der PFISTERER Unternehmensgruppe sowie in grundlegenden Fragen zur Geschäftspolitik, der Finanzierung und insbesondere der Kapitalmarktfinanzierung, der Risikolage und ‑entwicklung sowie Compliance unterrichtet. Die technologische Ausrichtung und der Verlauf von Auftragseingang, Umsatz, Ertrag und Liquidität der Konzerngesellschaften ist regelmäßiger Inhalt unserer Sitzungen. Alle Geschäfte, die nach Satzung und Geschäftsordnung zustimmungspflichtig sind, wurden beraten und vom Aufsichtsrat genehmigt.
Die Bereiche Umwelt, soziale und gesellschaftliche Aspekte sowie eine verantwortungsvolle Unternehmensführung (ESG) bleiben im Fokus unseres Unternehmens, das erheblich von der stetigen Elektrifizierung profitiert. Dabei gilt es, sowohl den regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden als auch weitere Verbesserungen in allen Aspekten der Nachhaltigkeit zur Reduzierung von CO2 Emissionen voranzutreiben.
Als Aufsichtsratsvorsitzender stand ich auch außerhalb aller Sitzungen in regelmäßigem Kontakt mit dem Vorstand und habe relevante Informationen von den zuständigen Fachabteilungen sowie den internen Projektteams erhalten.
Sitzungen des Aufsichtsrats und Schwerpunkte der Beratungen
Im Berichtsjahr fanden fünf ordentliche und vier außerordentliche Sitzungen des Aufsichtsrats statt, an denen der Vorstand ebenfalls teilgenommen hat.
Im Mittelpunkt der Beratungen stand die Implementierung des seit vielen Jahren diskutierten Börsengangs und seiner Vorbereitungen bezüglich IFRS Financials und Quartalsreporting, Kapital- und „Offering“ Strukturen, Corporate Governance, Compliance und Investor Relations. Die Rechtsformänderung in eine SE war bereits im Sommer 2023 erfolgt.
Für unsere Annalen muss man erwähnen, dass die Initiative wie in allen Inhaber-geführten Familienunternehmen hier von Herrn Karl-Heinz Pfisterer ausging, der bereits während seiner Tätigkeit in den USA in einem befreundeten Unternehmen ersten Kontakt mit einer börsennotierten Nachfolgeregelung hatte. Bereits 2003, wenige Jahre nach Umwandlung in eine AG, hatte er die operative Geschäftsführung als Vorstandsvorsitzender abgegeben, um als stellvertretender Vorsitzender in den Aufsichtsrat zu wechseln. Das Familienunternehmen hatte damit ab diesem Zeitpunkt ein Fremdmanagement. Seine Überlegungen verfolgte er im Aufsichtsrat weiter. Nach Beendigung einer Unternehmenskrise Ende 2023 war der Weg frei. Mit dem neu eingetretenen und diesbezüglich bereits erfahrenen Herrn Linden und guten Geschäftsaussichten gelang es den Vorständen Johannes Linden und Konstantin Kurfiss, gemeinsam mit einem außerordentlich engagierten Mitarbeiterteam in 2024 mit den notwendigen Vorbereitungen zum Börsengang loszulegen und die bereits erwähnten Voraussetzungen zu implementieren. Die Börseneinführung am 14. Mai 2025 war der abschließende Meilenstein für die nun veränderte und verbesserte Finanzierungsgrundlage.
Ende 2025 wurde die gemeinnützige KAP Stiftung in Balingen mit angemessenen Mitteln ausgestattet. Der Stiftungszweck ist die Förderung hochbegabter Jugendlicher und die Förderung der Betreuung physisch und psychisch schwerstkranker Kinder. Es ist vorgesehen, dass die KAP Stiftung die Rechtsnachfolgerin von Karl-Heinz Pfisterer wird. Somit ist jetzt auch die Nachfolgeregelung komplett vorbereitet.
Die wesentlichen Inhalte der außerordentlichen Aufsichtsratssitzungen in 2025 waren vor allem die kapitalmarktinduzierten Satzungsänderungen (Januar 2025), die Neubestellung des Vorstands (Januar 2025), die Zustimmung zum öffentlichen Angebot (Mai 2025) und die zur Börsennotiz erforderlichen Kapitalmaßnahmen (Mai 2025).
Vorbereitungen der Hauptversammlungen
In der ersten Hauptversammlung am 31. Januar 2025 wurde die bestehende Satzung börsenfähig gemacht und wichtige Änderungen zu den Kapitalien beschlossen. In der zweiten ordentlichen Hauptversammlung vom 11. April 2025 wurde die Ausschüttung einer Dividende beschlossen.
Bericht über die Arbeit der Ausschüsse
Der Aufsichtsrat hat sich am 13. März 2025 eine überarbeitete Geschäftsordnung gegeben, in der die Tätigkeiten der Ausschüsse im Ganzen und die jeweiligen Schwerpunkte geregelt werden.
Der Prüfungsausschuss überwacht insbesondere die Rechnungslegung und den Rechnungslegungsprozess, die Corporate Governance & Compliance, die Angemessenheit und Wirksamkeit des internen Kontrollsystems, des Risikomanagementsystems, des internen Revisionssystems, die Abschlussprüfung und die Qualität der Abschlussprüfung und bereitet die Beschlüsse zu Fragen der Rechnungslegung vor. Der Prüfungsausschussvorsitzende, Herr Erich Schefold, verfügt über Sachverstand sowie besondere Kenntnisse auf den Gebieten Rechnungslegung und Abschlussprüfung (§ 107 Abs. 4, § 100 Abs. 5 AktG).
Der Prüfungsausschuss ist im Berichtsjahr 2025 zu fünf Sitzungen zusammengekommen. Neben Mitgliedern des Vorstands und der Fachabteilungen nahm an der Sitzung zum Konzern- und zum Jahresabschluss auch der Abschlussprüfer teil. Schwerpunkte der Ausschussarbeit waren die Durchsprache des Konzern- und des Jahresabschlusses sowie die Prüfungsplanung des Abschlusses 2025, insbesondere Wesentlichkeit und Festlegung der Prüfungsschwerpunkte für den ersten IFRS-Abschluss (einschl. Vergleichszahlen) auch im Hinblick auf die angestrebte Kapitalmarktorientierung. Seit Q1-2025 ist auch die Quartalsberichtserstattung im Fokus. Zudem hat sich der Ausschuss mit Fragen der Corporate-Governance-Struktur inkl. Weiterentwicklung des Risikofrüherkennungssystems, der Compliance und des internen Kontrollsystems, Cybersecurity Risiken sowie dem Währungsmanagement befasst. Seit 2025 bestätigen alle Mitglieder des Management-Teams in diesem Zusammenhang jährlich schriftlich, dass in ihrem Verantwortungsbereich Compliance Anforderungen eingehalten werden. Ein Whistleblower Mechanismus ist entsprechend der gesetzlichen Vorschriften eingerichtet. Eine Interne Revision hilft, die Verzahnung der einzelnen Corporate Governance-Elemente und die Weiterentwicklung der Corporate Governance-Struktur und des IKS-Systems der PFISTERER Gruppe sicherzustellen. Die Revisionsberichte wurden zwischen Vorstand und Prüfungsausschuss im Detail besprochen. Seit 2021 veröffentlicht die PFISTERER Holding SE Nachhaltigkeitsberichte, zuletzt im April 2025. Die zukünftige Berichterstattung zu den nichtfinanziellen Kennzahlen war ebenfalls ein Thema.
Der Technologieausschuss, zuständig für alle wichtigen Technologiefragen, befasste sich in zwei Sitzungen im Geschäftsjahr 2025 vor allem mit Fragen der Strategieentwicklung für Fokusmärkte, Markttrends bei Produkten und Technologien sowie den laufenden Initiativen zur Neu- und Weiterentwicklung von Produkten in den einzelnen Geschäftsbereichen. Dazu gehören die Neustrukturierung der Laborwelt mit einer neuen Halle in Winterbach sowie die Materialfortschritte mit Silikon für Gleichstromkomponenten und neue Patentanmeldungen. Außer der Digitalisierungs- und Patentstrategie standen die Kooperationsverträge mit reinen Kabelherstellern im HVDC-Segment im Mittelpunkt. Der Ausschuss wird von Frau Prof. Dr. Denk geleitet.
In 2025 fanden vier Sitzungen des Kapitalmarktausschusses statt, der sich mit der Finanzierung der Gesellschaft befasst. Im ersten Halbjahr ging es im Wesentlichen um die Vorbereitungen der Kapitalmarktfähigkeit, die Implementierung der Börsenpläne und Entscheidungen zur Angebotsstruktur. Im zweiten Halbjahr hat der Ausschuss mit dem Vorstand die Pflichtthemen in „Scale“ wie Research, Analystenkonferenz, Unternehmenskalender und die Capital Market Partner Aktivitäten erörtert. Der Ausschuss setzt sich aus zwei Mitgliedern zusammen, und wird von mir als Vorsitzendem geleitet.
Der Nominierungs- und Personalausschuss bereitet unter meinem Vorsitz die Personalentscheidungen des Aufsichtsrats vor. In 2025 fanden zwei Sitzungen des Nominierungs- und Personalausschusses statt. Bereits Ende 2024 wurden die Vorstandsvergütungsthemen einvernehmlich überarbeitet, um insbesondere das bisherige System von Festvergütung sowie kurz- (STI) und langfristigen (LTI) variablen Elementen kapitalmarktfähig zu machen. Dazu wurde die in den Dienstverträgen im Rahmen der Neubestellung am 14. Februar 2025 (bis 2028) vorgesehene relative Verteilung zwischen STI und LTI geändert. Der jetzt deutlich stärker gewichtete LTI basiert bereits auf echten Optionen und wurde im Februar 2025 erstmals ausgegeben. Nachdem der Vorstand sich schon in den schwierigen Zeiten mit Aktien beteiligt hat, wurde nunmehr eine „Share-Ownership Guideline“ eingeführt, die insbesondere international üblich ist.
Mit der Börsennotiz stehen neue Möglichkeiten zur Incentivierung von Mitarbeitern und Führungskräften zur Verfügung. So hat der Aufsichtsrat im Rahmen des Börsengangs ein breit gefächertes Beteiligungsprogramm für die meisten Mitarbeiter mit dem Vorstand beraten. Im Vorfeld des IPO war bereits ein virtuelles Optionsprogramm (VSOP) als Incentivierung für Führungskräfte eingeführt worden. Mitte des Jahres wurden erstmals Aktienoptionen (ESOP) als langfristige Beteiligung (LTI) an den erweiterten Führungskreis ausgegeben. Mit diesen Instrumenten verfolgen Aufsichtsrat und Vorstand das Ziel, die Vergütung der Unternehmensführung für einen längeren Zeitraum an die Performance der Aktie zu binden und die Zeichner angemessen an der Wertsteigerung zu beteiligen.
In der zweiten Sitzung wurden die Parameter für die Vorstandvergütung 2026 erörtert. Der Ausschuss wird vom Unterzeichner geleitet.
Einzel- und Konzernabschluss 2025
In der Prüfungsausschusssitzung vom 13. April 2026 und der Aufsichtsratssitzung vom 14. April 2026 wurden der geprüfte Konzern- und Jahresabschluss der PFISTERER Holding SE sowie der Konzernlagebericht mit dem Wirtschaftsprüfer erörtert, der für Fragen zur Verfügung stand und an beiden Sitzungen teilgenommen hat.
Der Konzern- und der Jahresabschluss der PFISTERER Holding SE zum 31. Dezember 2025 nach IFRS sowie der Lagebericht für den Konzern für das Geschäftsjahr 2025 wurden von der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Frankfurt am Main, geprüft und mit Datum vom 25. März 2026 jeweils mit einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk versehen. Der Aufsichtsrat hat die ihm vorgelegten Unterlagen eingehend geprüft und stimmt nach dem abschließenden Ergebnis seiner eigenen Prüfung mit den Ergebnissen des Abschlussprüfers, den Lageberichten und den Aussagen zur weiteren Unternehmensentwicklung überein. Er schließt sich dem Gewinnverwendungsvorschlag an. Der Aufsichtsrat hat in der Sitzung vom 14. April 2026 auf Empfehlung des Prüfungsausschusses den Konzern- und den Jahresabschluss der PFISTERER Holding SE nebst Lageberichten jeweils gebilligt; der Jahresabschluss ist damit festgestellt.
Ereignisse nach Abschluss des Geschäftsjahres
Der Start ins neue Geschäftsjahr 2026 zeigt sich trotz des anhaltenden Ukrainekrieges und fortdauernder geopolitischer Krisen positiv. PFISTERER profitiert erheblich von der Umgestaltung der Energiesysteme und des Netzausbaus und kann die Umsätze in allen umsatzträchtigen Segmenten mit Kunden in den Geschäftsfeldern erneuerbare Energieerzeugung und Verteilung deutlich erhöhen. Die neue Halle für das Hochspannungslabor am Standort Winterbach feierte am 23. März 2026 ihr Richtfest.
Dank des Aufsichtsrats
Der Aufsichtsrat dankt dem Vorstand und allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Unternehmensgruppe PFISTERER für ihr Engagement, die geleistete Arbeit und ihren außergewöhnlichen Einsatz. Die Auszeichnung „IPO des Jahres 2025“ durch die Deutsche Börse macht diese große Leistung auch öffentlich.
Winterbach, im April 2026
Prof. Dr. Wolfgang Blättchen
Aufsichtsratsvorsitzender